„Pass auf mit dem, was du dir wünschst“, habe ich in meinem Artikel „Der Spiegel“ geschrieben. Ich hatte dabei über das Dilemma, das Richtige zu wünschen reflektiert. Nun aber, ich bin mir dessen bewusst dass wir in manchen Fällen weiter hinten anfangen müssen – weit bevor wir fähig sind zu wünschen.

„Tut mir leid, ich hab das Bett heute nicht gemacht. Hatte echt keine Zeit heute …“, kommentiert meine Freundin, als sie mir, wie es in Spanien üblich ist, ihre neue Wohnung zeigt.

„Ich bin erleichtert“, antworte ich. Ich freute mich geradezu, jemanden zu treffen, der die Freiheit hat, nicht das Bett zu machen. Meiner Erfahrung in Spanien nach schaffen das viele Leute nicht.

„Ehrlich gesagt, ich bin eine von diesen. Normalerweise ist bei mir immer alles aufgeräumt, das Bett gemacht und so weiter. Ich bin ziemlich perfektionistisch.“

Durch ihre Aussagen entscheidet sich meine Freundin, wenn auch unbewusst, ihr eigener Sklaventreiber zu sein. Zu sagen „ich kann das nicht ändern, ich bin halt so“, macht es geradezu unmöglich, als freier Mensch entspannt durchs Leben zu gehen, oder einfach glücklich zu sein.

Kommen wir zurück zur Quantenphysik, von der ich in meinem vorherigen Text erzählt habe: Mit unseren Gedanken determinieren wir unsere aktuelle Situation. Was wir im Hier und Jetzt gerade erleben ist, laut Berend Smit das Resultat unserer vorherigen Gedanken. Wenn wir nun davon ausgehen, das dies so ist, sollten wir behutsamst unsere Aussagen treffen, die wir so im Laufe des Tages aussprechen oder denken.

Seit ich begonnen habe, Berends Buch zu lesen, höre ich sehr aufmerksam zu, was Menschen sagen. Ich habe selbst die charakterliche Tendenz, recht „übersensibel“ zu sein und mit relativer Leichtigkeit in Traurigkeit zu verfallen. „Die Welt macht mich traurig“, konnte ich denken, „ich fühle einen Weltschmerz“. In meiner Sensibilität liegt auch meine Stärke, da ich dadurch Menschen und ihre inneren Kämpfe, Ängste und ihr Leiden zu fühlen und zu begleiten vermag.

All das ist Teil unserer Existenz. Da ist der Schmerz, die Bosheit, die Gewalt, der Krieg, die Traurigkeit, der Liebesentzug, der Verlust, die Krisen, Krankheiten und alle möglichen anderen Beschwerden. Ich kenne das alles, ich kann es vor mir sehen, ohne meinen Blick davon abwenden zu müssen.

Dennoch, da ist auch die Schönheit. Die Freude. Das Glück. Und dies ist mein Manifest heute: In meinem jetzigen Leben beschließe ich, meinen Blick auf den hellen Aspekt der Existenz zu richten, wenn ich auch dadurch meine Fähigkeit nicht verliere, ihre dunkle Seite zu erkennen.

Heute Morgen bin ich spazieren gegangen. Noch ein wenig verschlafen, kamen mir Gedanken in den Sinn, die, sagen wir mal, „nicht so positiv“ sind. „Wie wird diese eine oder andere Sache wohl ausgehen? Warum hat diese Person das gesagt? Dies und das macht mich traurig…“ Doch dann sagte ich zu mir selbst: Achtung, Richtungswechsel!

Ich richtete bewusst meinen Blick nach oben. In den Himmel, auf die grün scheinenden Äste der Bäume, unter denen ich spazierte. Ich blieb stehen und lauschte. Welch wunderschönes Singen der Vögel! Einer sang besonders schön. Wo hatte er sich wohl versteckt? Während ich da nach oben schaute und suchte, kam ein Lächeln über mein Gesicht. Wie schön, dieser Farbenkontrast des Baumes und des blauen Himmels, begleitet vom zauberhaften Vogelgesang.

„Da ist er“, sagte ein Mann, der gerade vorbeiging. Er hatte bemerkt, dass ich, fasziniert von seinem Gesang, den singenden Vogel im Baum suchte.

Die Schönheit der Natur spricht zu uns. Sie erinnert uns daran, dass wir, in Wirklichkeit, alles haben. Wir müssen es nur wollen, glauben, leben.

Aber wir handeln nicht danach.

“Ich kann es nicht ändern. Ich kann keinen schmutzigen Teller in der Küche sehen, kann die zerknitterten Kissen auf dem Sofa nicht ausstehen.”

Wir putzen, obwohl es gar nicht schmutzig ist, sind pingelig bei Unwesentlichem und verlieren dabei den Blick für das Wesentliche im Leben.

Die Konflikte und Krisen sind unsere Verbündeten, um im Trübsal zu verharren. Wir arbeiten uns zu Tode, ohne die sonnigen Seiten des Lebens genießen zu können. Finden immer einen Vorwand, um nichts an unserem Leben zu ändern, um nicht unser glückliches Leben zu kreieren. Es ist, als müssten wir unseren Zwängen und negativen Glaubenssätzen treu bleiben, und so kommt es, dass das Negative, das wir beschreiben, sich dann auch bestätigt.

Photo by Jan Huber on Unsplash